Die Wüstenprinzessin – Ameera & Jamila

Es ist soweit – der zweite Teil der Wüstenprinzessin ist auf dem Weg zur Veröffentlichung. Wer den ersten Teil „Auf der Flucht“ gelesen hat, wird bestimmt von Teil 2 auch begeistert sein. In kürze werde ich hier eine Leseprobe und das Cover vorstellen.

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Leseprobe – Die Wüstenprinzessin

Hier könnt ihr auch gerne die Leseprobe bei Youtube euch anhören.

Die Wüstenprinzessin

Es war einmal in einem fernen Land, in der Stadt Aqaba, wo die Sonne heller schien als andernorts und das Meer seine weichen Wellen flüsternd zum Strand trieb und sanft gegen die Felsen schlug. Jenseits des Meeres ragten die goldenen Kuppeln des Palastes erhaben in die Höhe und verschmolzen mit dem blaue des Himmels. Vögel zwitscherten in seinen prächtigen Gärten mit den dicht belaubten Akazienbäumen. Bienen und bunte Schmetterlinge schwirrten über die farbenfrohen Blumen. Eine Nachtigall, die sich auf einem Rosenstrauch niedergelassen hatte, trällerte mit bezaubernder Stimme ihre Lieder.
In diesem märchenhaften Palast lebte ein Sultan namens Abdul-Rashid, der sein Volk über alles liebte und von diesem verehrt wurde, denn sein Herz war milde und gütig.
Alles wäre vollkommen, wenn der einzige Wunsch des Sultans – einen Thronfolger zu bekommen – erfüllt worden wäre, der ihn in seinen alten Tagen vertreten und das Volk genauso gütig und milde behandeln sollte wie er selbst. Nach langer Zeit des Wartens und Hoffens, war das Glück ihnen hold und seine zauberhafte Gemahlin beschenkte ihn mit einem wunderschönen Mädchen, das schon damals versprach, das Ebenbild ihrer Mutter sein zu werden. Der Sultan, der so glücklich war über die Geburt seiner Tochter, ließ ein Fest anordnen, das vierzig Tage und vierzig Nächte dauerte. Doch, wie das Schicksal es so wollte war das Glück der Sultanin nicht von Dauer. Denn sie verstarb, als ihre Tochter Yasmina fünf Jahre alt war. Die Dunkelheit kam über den Palast und der Sultan erholte sich nur langsam vom Tod seiner Frau. Nach dem Hinscheiden seiner geliebten Gemahlin heiratete er nie wieder und widmete seine ganze Liebe und Aufmerksamkeit dem kleinen Mädchen, das nun ohne Mutter aufwachsen musste.

Die Schönheit liegt nicht im Antlitz.
Die Schönheit ist ein Licht im Herzen (Khalil Gibrani)

Die Jahre vergingen in Windeseile und Yasmina wuchs zu einer jungen Frau heran. Nun gab es noch jemanden, den das Volk verehrte; nämlich den ganzen Stolz und liebreizende Tochter des Sultans. Prinzessin Yasmina, deren Anmut sich von Mund zu Mund in nahen wie in fernen Ländern übertrug und deren Antlitz niemand sehen durfte. Aufgrund dieser sagenumwobenen Schönheit strömten aus vielen Ländern zahlreiche Brautwerber, um Yasminas Hand zu erbitten. Doch die Prinzessin, so eigenwillig wie sie war, wies alle höflich ab. Nicht, weil sie ihr äußerlich nicht gefielen, sondern weil sie sich wünschte, ihren Bräutigam persönlich kennenzulernen. Ihr Wunsch war es, sich auf den ersten Blick zu verlieben und sie hatte ihre eigenen Vorstellungen von einem Mann, denn sie war es leid, die Prinzen und die Emire nur aus dem Haremsfenster sehen zu dürfen und diese sie weder sehen noch sprechen durften, da der Sultan sehr eifersüchtig war. Niemand sollte seine Tochter vor der Hochzeit sehen.
Es dauerte nicht lange bis wieder ein Prinz aus einem fernen Land über die Schwelle des Palastes schritt und um die schöne Yasmina warb. Begleitet wurde er dabei von seinen treuesten Freunden, Omar und Ali.
Die jungen Haremsdamen standen alle aufgeregt hinter dem Haremsfenster mit den winzigen dreieckigen Löchern und warfen dem Prinzen neugierige Blicke zu. Kichernd stießen sie Freudenschreie aus, während die Prinzessin sich an die vielen golddurchwirkten Kissen gelehnt hatte und unverwandt aus dem Fenster des Haremsgemachs in den Garten hinaussah. Diese jungen Mädchen, eines hinreißender als die andere, waren nicht etwa die Konkubinen des Sultans. Nein, man solle nicht falsch verstehen, denn die Haremsdamen lebten im Palast, um der Prinzessin Gesellschaft zu leisten. Während eines der Mädchen die Laute spielte, sang eine andere mit ihrer wunderschönen Stimme, um die Langeweile zu vertreiben. Es gab sogar eine Geschichtenerzählerin, die die Prinzessin aufmunterte, wenn diese traurig war. Und dann gab es noch die persönliche Dienerin Layla, die ihrer Herrin sehr nahe stand. Auch sie war von einer faszinierenden Schönheit, mit einem schmalem Gesicht, und den mandelförmigen Augen. Layla spähte neugierig durch die winzigen Öffnungen des Haremsfensters. Auf ihr Zeichen hin, verstummten der Klang der Laute und der liebliche Gesang des Mädchens.
»Oh, wunderschöne Prinzessin, die Ihr mit Eurer Schönheit, das Licht des Mondes verblassen lasst und anmutiger seid als jede Rose im Orient. Kommt und schaut, wie edel der Prinz aus dem Jemen ausschaut. Er ist weder stolz wie andere noch eitel. Und seht, Mädchen!«, sprach Layla lächelnd und drehte sich zu den Haremsdamen um: »Zwei junge Männer sind an seiner Seite und einer schöner als der andere. Wären sie nicht etwas für euch?« Während die Mädchen vor Aufregung kicherten, wandte sie sich wieder der Prinzessin zu. »Wollt Ihr dem Prinzen nicht einen Blick zuwerfen?«
Die Prinzessin aber seufzte gelangweilt, den Kopf auf die Hand gestützt.
»Ich möchte hinaus in die Welt, Layla. Was bringt es mir, die Prinzen und Emire oder die anderen Edelmänner durch ein winziges Loch anzuschauen, wenn ich sie nicht sprechen darf?« Den Blick erneut zum Fenster gerichtet, verharrte sie einen Augenblick in einem nachdenklichen Schweigen.
Dann sah Layla eine Wache zu der Haremstür kommen.
»Oh, eine der Wachmänner kommt. Setzt euch alle hin und verschleiert eure Gesichter. Los, los!« Sie klatschte in die Hände.
Die jungen Damen setzten sich auf die Kissen und warteten aufgeregt, was die Wache wohl zu sagen hatte. Dieser klopfte an und Layla öffnete ihm die Tür.
Der Wachmann musterte die oberste Haremsdame für ihren Geschmack zu bedeutungsvoll, als wolle er ihr gleich den Hof machen.
»Richtet der Prinzessin bitte aus, sie möge den Sultan später in seinem Gemach aufsuchen. Er hat ihr etwas Wichtiges mitzuteilen.«
Layla nickte und sah ihn bedeutsam an.
»Ihr wisst sicherlich, worum es geht. Verratet es mir!«, forderte sie ihn flüsternd auf.
»Ich darf nicht«, konterte dieser leise und spähte um sich.
Layla ließ die Höflichkeit aus: »Abu, du brauchst mir nichts vorzumachen. Nun erzähle schon! Hat es etwas mit dem Prinzen zu tun, der beim Sultan ist?«
Er nickte und trat näher an die Tür heran, sodass niemand ihn hören konnte.
»Der ehrwürdige Sultan hat die Prinzessin dem Prinzen versprochen.«
Layla riss die Augen auf und stieß leise ein >Huch< aus. »Er hat was? Habe ich richtig gehört?«
»Ja, der Sultan hat dem Prinzen aus Jemen, die Hand der Prinzessin versprochen. Sein Name lautet Karim.« Er neigte seinen Kopf tiefer zu Layla. »Er sieht aus, als hätte sich Allah, extra viel Zeit für ihn genommen«, zwinkerte er und entfernte sich.
Nachdenklich und noch immer mit überraschtem Gesichtsausdruck drehte sich Layla zu den Frauen um, die sie erwartungsvoll anstarrten. Auch sie setzte sich zur Prinzessin und nahm ihre Hände.
»Prinzessin, liebliche Blume von Aqaba. Ich habe soeben erfahren… der erhabene Sultan möchte Euch in seinem Gemach sprechen. Er hat…«, sie biss sich auf die Lippe und kaute darauf herum.
»Was Layla? Was ist mit meinem Vater?«
»Er hat Euch dem Prinzen aus dem Jemen versprochen. Bitte tut so, als wüsstet Ihr davon nichts, sonst bekommt Abu Ärger.«
Prinzessin Yasmina errötete vor Zorn, stand wütend auf und schritt unter dem Blickbeschuss der Haremsdamen auf und ab.
»Mein eigener Vater entscheidet über meinem Kopf hinweg. Wie kann er nur?!«, höchst empört, »Ich werde zu ihm gehen«, und entschlossen machte sie sich auf dem Weg zum Sultan. So schnell ihre Füße sie trugen und völlig aufgebracht, ignorierte sie die höfliche Begrüßung der Wachen und betrat ohne anzuklopfen, das Gemach des Herrschers!
»Vater! Wie konntet Ihr nur? Ohne mich darüber zu unterrichten und meine persönliche Meinung zu erfragen, habt Ihr mich dem Prinzen versprochen. Bitte! Bitte lasst nicht zu, dass dieser Mann mich zur Frau nimmt.« Flehend sank sie auf den Boden und umfasste die warme Hand des Sultans, der, wie in fast allen Märchen, weder groß noch zu klein, dafür aber leicht rundlich war
Irritiert schaute der Vater in die sonst vor Freude glühenden Augen seiner Tochter, die nun feucht glänzten und ihn traurig ansahen. Sein Herz zersprang wie ein funkendes Kristallglas und zerfiel zu Staub. Betrübt beugte er sich über sie und sanft umfasste er ihre Arme.
»Aber Yasmina, mein Morgenstern, meine geliebte Tochter. Prinz Karim ist ein ehrenwerter Mann, gut aussehend und wohlhabend. Er wird dich auf Händen tragen«, merkte er an und half seiner Tochter, sich aufzurichten.
Ihre von Tränen feuchten Augen hoben sich von ihren zart rosa Wangen ab. Enttäuscht von den Worten des Vaters schürzte sie ihre roten Lippen und begann zu schniefen.
»Seid Ihr meiner überdrüssig geworden, dass Ihr mich fortschicken wollt, Vater?« Sie wusste genau, wie sie ihren Vater erweichen konnte. Zweimal mit den Wimpern klimpern und ein paar kostbare Tränen vergießen, und schon würde den Vater sein schlechtes Gewissen übermannen. Und sogleich verließ eine warme Träne ihr Auge und hinterließ auf ihrer Wange eine feuchte Spur.
Liebevoll wischte der Sultan diese mit der Hand weg und sah seine Tochter verzweifelt an.
»Ich habe es gut mit dir gemeint, Yasmina. Eines Tages wirst du wohl oder übel heiraten müssen. Du bist nun zwanzig Jahre alt. Viel zu spät für ein Mädchen deines Alters. Andere Frauen in deinem Alter haben schon Kinder um sich. Ich wünsche mir auch Enkelkinder, die um mich herum laufen. Wer weiß, wie lange ich noch zu leben habe und ich möchte dich in guten Händen wissen, wenn ich nicht mehr bin. Daher wünsche ich mir Prinz Karim als Schwiegersohn, dem ich später mit ruhigem Gewissen meinen Thron anvertrauen könnte. Er ist ein zuverlässiger Mann, der sein Wort hält und dem die Ehre noch viel bedeutet.«
Die Prinzessin wandte sich von ihm ab und blickte auf den Boden, der mit kostbaren Teppichen gelegt war.
»Ihr habt Recht Vater, dennoch habe ich den Wunsch, den Mann, der an meiner Seite stehen und der Vater meiner Kinder werden soll, selbst zu erwählen.« Schwerfällig hob sie ihren Kopf und sah ihm in die Augen, um ihn doch noch umstimmen zu können. »Ich möchte aus Liebe heiraten, nicht wegen des Reichtums und der Vernunft. Prinz Karim ist bestimmt nicht der Mann, dem mein Herz zustimmt. Ich habe Träume wie jedes Mädchen.«
»Du bist aber die Prinzessin und nicht irgendein Bauernmädchen! Außerdem hast du ihn noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Wie kannst du dir so sicher sein, dass er nicht der Richtige ist?«
»Immer nur durfte ich aus dem Haremsfenster schauen. Nie durfte ich einen von ihnen persönlich sehen und sprechen. Wie soll ich so entscheiden, wer der Richtige ist? Und dennoch habe ich Träume. Träume, in denen ich meinen Auserwählten selbst kennenlerne.« Sie wandte sich von ihm ab. »Habe ich nicht das Recht, jemanden aus Liebe zu heiraten? Wie war es mit Mutter? Habt Ihr sie nicht aus Liebe geheiratet?« Erneut schniefend, hoffte sie sein Mitleid zu erreichen.
Schwermütig drehte der Sultan den Kopf zur Seite und sah auf ein Bildnis an der Wand. Der Schmerz des Verlustes seiner lieben Frau zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.
»Ich habe Prinz Karim mein Wort gegeben«, teilte er entschlossen mit.
Die Prinzessin schritt erneut auf ihn zu und nahm seine Hand in die ihre.
»Ich verstehe Euch, aber bitte erlaubt mir, ihn zu sprechen. Ich bin mir sicher, er wird es verstehen. Er wird mich nicht sehen, Vater. Ich werde ihn hinter der Efeuwand im Garten sprechen.«
Der Sultan riss entrüstet die Augen auf und schüttelte bedenklich den Kopf.
»Was wird man über die Prinzessin erzählen, wenn herauskommt, dass sie sich mit einem fremden Mann getroffen hat? Die Bürger könnten deine Tugendhaftigkeit und Position infrage stellen, wenn einer der Bediensteten oder einer der Wachen über so ein Treffen außerhalb der Mauern reden würde«, meinte er entsetzt und warf die Hände in die Höhe.
»Aber, Vater. Wer wird es wagen, über die Prinzessin zu reden?« Sie lachte. »Falls es dennoch zu Gerede kommt, so könnt Ihr sie allesamt köpfen lassen.«
Erneut riss der Sultan die Augen auf.
»Yasmina, was höre ich aus deinem Munde? So willst du eines Tages herrschen auf meinem Throne?«
Die Prinzessin kniff in die Wangen des Sultans, die wie rote Äpfel leuchteten. »Aber Vater, es war nur ein Scherz. Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ich das von Euch verlangen würde?«
»Bei dir bin ich mir nicht immer sicher«, gab er zu.
Yasmina aber streichelte liebevoll seine Wangen. »Gebt Ihr mir nun die Erlaubnis, den Prinzen zu sprechen?«
»Hmm«, meinte der Sultan und strich sich über seinen schneeweißen Bart. Er sah ihr in die Augen, die ihn engelsgleich ansahen. Wie konnte er diesem Blick widerstehen?
»Meinetwegen sollst du ihn sprechen. Unter einer Bedingung«, hob er den Finger.
»Und die wäre?«
»Du wirst dich auf keinen Fall mit ihm alleine treffen. Nimm Layla mit!«
»So sei es, wenn Ihr es wünscht, Vater«, schmunzelte sie schelmisch, kniff seine Wangen und atmete erleichtert auf. Nie hätte sie sich vorstellen können, jemanden zu heiraten, den sie nicht kannte, geschweige denn den niemals gesehen zu haben. Die Träume, die sie Tag für Tag hatte, sollten nicht wie Seifenblasen zerplatzen. Eine Vernunftehe kam für die Prinzessin nicht infrage. Sie sehnte sich danach, die Liebe zu erleben und in vollen Zügen auszukosten, so wie ihre verstorbene Mutter sie einst erfahren durfte.
Sie küsste sanft die Hand ihres Vaters und legte sie auf ihre Wange. Allerdings stellte sie sich auch selbst die Frage, wie es sein konnte, dass der Sultan sich hatte erweichen lassen, wo Prinz Karim ihm doch so gefiel. Vielleicht war sie ihm ja wichtiger als eine Heirat mit dem benachbarten Prinzen?
»Ich werde Prinz Karim rufen lassen. Es wird nicht leicht für mich, ihn darauf anzusprechen. Wenn du wenigstens einmal einen Blick auf ihn werfen würdest, vielleicht würdest du deine Meinung ändern«, schlug er vor und strich sich wie gewohnt über seinen Bart.
Prinzessin Yasmina zog es vor zu schweigen, wandte sich ab und verdrehte die Augen, denn Widerworte würden den Sultan nur noch mehr erzürnen.
»Geh auf dein Zimmer«, sprach der Vater in einem sanften Ton. »Ich lasse dich wissen, wenn es so weit ist.« Und winkte ab.
Yasmina drehte sich um und schritt federleicht zur Tür, doch sie blieb sofort stehen, als der Sultan ihr etwas zurief.
»Sage dem Wächter, er soll eintreten und vergiss nicht, dein Gesicht zu bedecken.«
Sie wandte sich ihm nur kurz zu und nickte. Bevor sie die Tür öffnete, bedeckte sie ihre Schönheit mit einem grünen Schleier.
»Der Sultan möchte euch sprechen«, teilte sie der Wache mit und rauschte an ihm vorbei.
Die Wache trat über die Schwelle und stand stramm.
»Ihr habt mich rufen lassen, mein Sultan?«
»Übermittelt Prinz Karim, dass ich ihn in meinem Gemach sprechen möchte.«
»Sehr wohl, mein erhabener Sultan.« Der Wächter verneigte sich und schloss die Tür.

Der Sultan, der seine jungen Jahre bereits hinter sich gelassen hatte, schritt zum Fenster. Die Hände auf dem Rücken verschränkt und die Stirn gerunzelt, blickte er hinaus.
»Sie wird nicht vernünftig«, sprach er leise zu sich selbst, während er den Kopf schüttelte. »Ich muss mir etwas einfallen lassen. Karim ist nun mal der beste Heiratskandidat.«
In Gedanken versunken, verharrte er dort eine Weile, bis die Tür zu seinem Gemach geklopft und aufgetan wurde. Prinz Karim trat ein.
Dieser war in schlicht Dunkelblau gewandet, nicht geschmückt, wie ein Prinz es sein sollte. Er trug eine weite Hose, die am Knöchel enger genäht war, und einen luftigen Überwurf.
Nur der Knauf eines glänzenden Dolches stach hinter seinem breiten Ledergürtel hervor. Ein dunkelblauer Schleier, den er sich um den Kopf gewickelt hatte, verbarg seine Haare und ein leichter Bartschatten hatte sich auf sein braun gebranntes Gesicht gelegt. Er verneigte sich vor dem Sultan und sah ihn würdevoll an.
»Ihr habt mich rufen lassen, erhabener Sultan?«
»Prinz Karim, tretet näher«, bat der Sultan und schritt ihm entgegen. »Ich möchte mit Euch über meine Tochter sprechen.«
In diesem Moment strahlten Prinz Karim’s Augen wie funkelnde Sterne.
»Nehmt bitte Platz«, deutete der Sultan auf ein Sofa. »Wünscht Ihr etwas zu trinken?«
Der Prinz verneinte mit einem Kopfschütteln. »Habt Dank. Ich verspüre gerade keinen Durst. Ich muss zugeben, ich bin etwas überrascht und kann es kaum erwarten zu hören, was Ihr mir mitzuteilen habt.« Er sank in das Sofa und lehnte sich zurück.
»Ich werde es kurz machen.« Der Sultan trat zu einem antiken Tisch, wobei er dem Prinzen den Rücken zugewandt hatte. Prinz Karim hörte, wie er etwas in ein Glas einschenkte und dann Eisstücke hinein warf.
»Wasser«, merkte der Sultan an. »Wasser ist das Kostbarste, was man hat. Mögt Ihr etwas anderes trinken?« Er hielt das kühle Glas an seine Wange.
Prinz Karim’s Blick glitt über das geschmackvoll eingerichtete Mobiliar und die farbenfrohen Teppiche, die die weißen Wände schmückten. Er legte seine Hand eines Danks bedeutend auf die Brust. »Im Moment nicht.«
»Gut, wenn Ihr dennoch was möchtet, so könnt Ihr Euch etwas einschenken. Fühlt Euch wie Zuhause.« Er setzte sich auf einen Sessel, der dem Sofa gegenüber stand und lehnte sich gemütlich zurück.
»Darf ich fragen, wie alt Ihr seid, Prinz Karim?«
»Sicher. Ich bin sechsundzwanzig.«
»Seid Ihr meiner Tochter schon begegnet?« Dabei sah er seinem Gegenüber in das gebräunte Gesicht, aus dem ein Paar tiefblaue Augen wie Saphire funkelten. Der Sultan fand, dass Prinz Karim sehr gut aussah und ärgerte sich insgeheim über seine sture Tochter. Was hatte sie an diesem Prinzen auszusetzen? Er war groß und von schlanker Statur. Wenn sie ihn wenigstens eines Blickes gewürdigt hätte…
»Bisher leider nicht, aber ich habe von ihrer Schönheit gehört. Sie soll schöner sein, als jede Blume auf der Erde.«
Der Sultan nickte kaum merklich und schmunzelte.
»Sie kommt ganz nach ihrer Mutter. Bisher hat kein Mann sie je zu Gesicht bekommen und ich wünsche, dass es so bleibt, es sei denn ich erlaube es anders«, zwinkerte er dem Prinzen bedeutsam zu.
Der Sultan führte das Glas an seinen Mund und trank daraus. Dann ließ er die Eisstücke langsam in dem Glas kreisen und stellte es auf dem kleinen Tischchen ab, das zwischen ihnen stand. Er zog ein besticktes Tuch aus dem Ärmel seines weißen Kaftans und wischte sich den Schweiß vom Gesicht und Nacken.
»Ihre Mutter war bildhübsch und war einem anderen Prinzen versprochen, irgendwo in Indien«, erzählte er lachend und deutete mit der Hand in eine Richtung. »Aber das hat mich nicht davon abgehalten, sie trotzdem zu entführen. Nur Yasmina ist sehr stur. Von wem sie das hat, ist mir ein Rätsel.«
Prinz Karim schmunzelte versonnen. Er schlug die Beine übereinander und stützte sein Kinn auf die Hand. Aufmerksam lauschte er dem Gespräch des Sultans.
»Sie möchte Euch persönlich sprechen, was ich nicht billige, aber ich habe es ihr erlaubt. Seid gewarnt«, hob er den Zeigefinger. »Es wird keine schöne Unterhaltung sein. Sie wird im Garten hinter der Efeuwand auf Euch warten. Ich hoffe, Euch gelingt es sie zu überzeugen. Ich konnte es leider nicht«, winkte er ab.
Prinz Karim setzte seinen Fuß auf den Boden und beugte sich leicht vor. »Soll das bedeuten, dass sie mich abgewiesen hat? Ihr habt mir Euer Wort gegeben!« Enttäuscht runzelte er die Stirn.
»Und ich halte mein Wort«, entgegnete er dem Prinzen und hob die Hände abwehrend. »Es liegt nicht an Euch. Yasmina ist eine Traumtänzerin und möchte unbedingt eine Liebesheirat eingehen. Sie möchte sich verlieben und den Mann an ihrer Seite selbst auswählen. Ihr wisst sicherlich, was ich damit meine.«
»Wie soll sie mich kennenlernen, wenn sie mir die Chance verwehrt?«
Schwermütig zuckte der Sultan mit den Schultern und seufzte. »Ich denke, Ihr werdet Euch etwas einfallen lassen.«
Enttäuscht stand der Prinz auf und schritt zum hohen Fenster. Eine Hand auf den Dolch gelegt, sah er eine Weile nachdenklich in den Garten hinaus, wo die Efeuwand stand. Kein Mädchen in seinem Land würde ihn abweisen. Es war nicht möglich. In seinem Stolz gekränkt und sich verschmäht fühlend, rieb er sein Kinn und wandte sich wieder dem Sultan zu. Seine Augen strahlten, als hätte er eine Idee.
»Gut. Ich werde dort auf sie warten.«
Der Sultan stimmte dem bedenklich zu. »Danach werden wir beide uns wieder unterhalten.«
Prinz Karim verneigte sich und verließ das Gemach. Als er den unendlich langen Korridor entlanglief, rief er einen dunkelgewandeten Mann zu sich, der bereits auf ihn wartete.
»Omar, ich habe etwas mit dir zu besprechen.«
Omar nickte ihm zu. Flüsternd verließen sie den Gang, der zu den Gemächern des Sultans führte.

Lauer Wind rauschte in den Blättern und Zweigen und wiegte die Gräser im Garten sanft hin und her. Gezwitscher erklang in den Wipfeln der Bäume. Die Vögel trugen der Prinzessin ihre Lieder vor. Sie wartete bereits ungeduldig hinter der Efeuwand wo sich wunderschöne Jasminblüten um die Ranken geschlungen hatten. Ihre Dienerin hatte sie fortgeschickt, weil sie mit dem Prinzen ungestört reden wollte. Mit jeder Minute die verstrich, schlug ihr Herz schneller. Sie knetete ihre Hände und horchte immer wieder auf Schritte, die bald zu hören sein sollten. Schließlich atmete sie tief ein und aus, um sich zu beruhigen. Alsbald vernahm sie die erhofften Schritte, die sich der Efeuwand näherten und schließlich verstummten. Instinktiv bedeckte sie ihr Gesicht mit dem hauchdünnen Schleier. Hinter der Ranke räusperte sich jemand.
»Prinzessin Yasmina?«
»Eure Hoheit Prinz Karim?« Ihre zarte Stimme glich dem Flüstern des Windes. In diesem Moment wusste sie nicht, ob ihre Stimme das laute Schlagen ihres Herzens übertönte.
»Ja, der bin ich. Ihr wünscht mich zu sprechen?«
Ein ›Ja‹ verließ hauchend ihre Lippen. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Halse, ihr Verstand gefror jäh. Sie vergaß für einen Moment zu atmen. Soweit sie sich erinnern konnte, sprach sie zum ersten Mal mit einem fremden Mann, dessen Stimme noch dazu tief, warm und zugleich verführerisch war.
Prinz Karim sah seitlich zu den Rosensträuchern und nickte jemanden zu, der sich dahinter versteckt gehalten und nun einen Spiegel in Richtung der Prinzessin hielt. Der Prinz erspähte ihr Gesicht, das sie unter dem hauchdünnen Schleier zu verstecken versuchte, der ihr Antlitz dennoch nicht verbergen konnte.
Er schmunzelte.
Hässlich ist sie nicht. »Euer Vater, der erhabene Sultan ließ mich wissen, dass Ihr gegen eine Vermählung mit mir seid?« Er merkte, wie sein Herz bei jedem Blick in den Spiegel noch höher schlug. Sie hatte den Schleier abgenommen. Bewundernd betrachtete er ihr Spiegelbild. Ihre Augen waren beständig auf den Boden gerichtet und sie knetete nervös den Saum ihres Schleiers.
O Allah, ist dies hier dein Garten Eden auf Erden und das liebliche Geschöpft, eine Jungfrau aus deinem Paradiese?
Ihre liebliche Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
»Bitte, versteht mich nicht falsch… es ist nicht Euretwegen. Es ist gegen meine Prinzipien. Ich möchte keine Vernunftehe. Ich möchte…«
»Aber Ihr habt mich noch nie gesehen und dennoch weigert Ihr Euch, mich kennenzulernen? Ich bin zutiefst enttäuscht Prinzessin. Ich bin gekommen um Euch mein Herz zu öffnen, es in Eure zarten Hände zu legen und Eure Schönheit zu erblicken, von der im ganzen Land erzählt wird. Vielleicht überdenkt Ihr es noch einmal?«, fragte er in der Hoffnung, dass sie ihre Meinung änderte.
»Bitte, bedrängt mich nicht, denn es würde nichts nützen. Ich würde Euch nur unglücklich machen.«
»Oder mich zum glücklichsten Mann der Welt machen. Wollt ihr mir nicht einen Blick gewähren? Es würde Euch die Entscheidung erleichtern.«
Sie schüttelte den Kopf und stellte fest, dass er es gar nicht sehen konnte.
»Es tut mir leid«, entschuldigte sie sich und drehte ihren Kopf zu den Rosensträuchern, weil es dort plötzlich raschelte. Etwas funkelte dort. Als ahnte sie, dass sich dort jemand verborgen hielt, sah sie genauer hin. Nur was war es, was dort so glänzte?
»Ein Spiegel? Ihr beobachtet mich heimlich? Wenn das der Sultan wüsste…« Empört blickte sie zu den Fenstern und sah, wie der Vater und sein Wesir zu ihnen herunterschauten. Rasch entfernte sie sich, bevor Prinz Karim sich dazu äußern konnte.
Der Prinz ballte verärgert die Fäuste. »So ein Mist. Sie hat den Spiegel gesehen.«
Omar trat hinter dem Rosenstrauch hervor. »Es tut mir leid Eure Hoheit. Ich rechnete nicht damit, dass die Strahlen der Sonne auf dem Spiegel reflektieren würden«, erklärte er schweren Mutes.
Der Gesichtsausdruck des Prinzen wurde jedoch weicher. Er schmunzelte.
»Was ich im Spiegel gesehen habe, war eine bezaubernde Fee, die ich nicht so leicht aufgeben werde. Höre mir gut zu, Omar. Ich habe einen Plan. Sie möchte sich verlieben? Dann soll sie es tun.«
»Ich verstehe nicht, was Ihr meint, Eure Hoheit.«
»Sage Ali Bescheid. Wir treffen uns hier um Mitternacht.«

Neues Werk – Die Wüstenprinzessin

Nach dem Band 2 von „Im Reich der Verborgenen erschienen ist, habe ich mein nächstes Projekt fertig geschrieben. Und zwar handelt es sich um ein Märchen aus 1001 Nacht.  Aber mehr werde ich im Moment nich verraten. Das sind meine Protagonisten, Prinz Karim und Prinzessin Yasmina, die die Herzen vieler Testleser erobert haben. Das Märchen ist mit  Humor, voller Liebe und Abenteuer geschrieben. Näheres über meine Bücher findet ihr auch unter …

Wortstürmer

 

Spiegel der Erkenntnis

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Und ich freue mich auf Fragen, bezüglich der Protagonisten und was ihr schon immer wissen wolltet.

 

  • Spiegel der Erkenntnis –

Er ist nicht nur ein reflektierendes Glas, sondern viel mehr das allsehende Auge, welches den Vier Weisen, die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft offenbart.
Ein Spiegel, der das Geheimnis Shahiqas preisgeben wird, wenn sie in ihn hineinschaut. Doch vorher hat sie noch einige Hürden zu überwinden.
Auch Heerführer Shaheen begegnet sie wieder, als sie auf Geheiß von Saki Omar berufen wird. Shaheen stellt schnell fest, dass er eine völlig veränderte Shahiqa vor sich hat. Wie wird er damit umgehen?
– Krieg, Liebe, Hass, Enttäuschung –
Wird Shahiqa den ihr auferlegten Prüfungen noch gewachsen sein?
Spiegel der Erkenntnis ist der zweite Band der Reihe:
Im Reich der Verborgenen – Die Auserwählte…

Indie Autoren – Selfpublisher

 

Vanessa Carduie

http://vanessa-carduie.wix.com/autorin

 

Vanessa Carduie schreibt gerne eine Mischung aus Liebesroman, Krimi und Fantasy. Sie bringt mit ihren Büchern ihre Leser nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Weinen und auch manchmal zum Nachdenken.

Vanessa hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Es lohnt sich auf ihrer Seite reinzuschauen.

Gegenspiel – Ein romantischer Kriminalroman

Im Schatten der Nacht – eine märchenhaft-erotische Kurzgeschichte 

Der Vampir auf dem Schlossturm der ersten Teil ihrer Urban-Fantasy-Reihe

Neustadtzauber – der zweite Teil der Trilogie ist so gut wie abgeschlossen

 Der erste Teil ihrer neuen Urban-Fantasy-Trilogie – WG mit Biss gibt es jetzt als Ebook bei Neobooks, Amazon und anderen, bis zum 13.01.2016 kostenlos zu lesen!

Auf Wattpad gibt es noch mehr Geschichten von ihr, die aber noch mitten mitten im Entstehungsprozess sind.
https://www.wattpad.com/user/VanessaCrd

https://www.facebook.com/profile.php?id=100009880757614

Veröffentlicht, aber …

Nun ist mein Buch seit August 2015 veröffentlicht und wie es nun mal ist, ging alles schief, wie es nur konnte. Aber man bekommt alles irgendwann in Griff. Die Nerven liegen blank, da man sich als Selfie selbst um alles kümmern muss. Um die Werbung, Leserunden usw. Ich mag es nicht gerne die Seiten meiner Freunde mit meiner Werbung zuspammen, wie ich es manchmal erlebe. Die gleiche Werbung mindestens 20 mal am Tag. Das ist ganz schön nervenaufreibend, da meine andere Nachrichten untergehen.
Die Konkurrenz schläft nicht, nein das tut sie wahrlich nicht. und dann kommt der Schreck.
Die Blogger: Ich mag sie, ich liebe sie. Denn sie sorgen mit ihren Rezensionen dafür, dass die Bücher verkauft werden oder auch nicht. Deren Rezensionen sind sehr wichtig und bekanntlich sind die Geschmäcker anders. Ist ja auch gut so. Denn wer Wampirgeschichten nicht mag, der liest dann 1001 Nacht oder ein Liebesroman.

Für heute möchte ich mich verabschieden, um dann morgen über die FBM zu berichten. Wie es dort war, ob es mir gefallen hat etc.

LG Mehliqa